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Der Lenne-Volme-Turngau geht mit einem neuen Vorsitzenden die Aufgaben der Zukunft an: Thorsten Gödde (TuS Jahn Ohle) wurde am Samstag beim Gauturntag in der Jahnhalle in Plettenberg zum Nachfolger von Renate Friedrichs (Lüdenscheid) gewählt. Friedrichs allerdings bleibt dem Vorstand treu – sie übernimmt ab sofort von Gisela Geißler (Lüdenscheid) das Amt der Frauenwartin im LVG.

Das Gesicht des Vorstandes ist damit zwar verändert, allerdings letztlich nur leicht. Gödde war bislang Geschäftsführer des LVG gewesen. Dieses Amt gab er mit Übernahme der Position des Vorsitzenden ab. Zur neuen Geschäftsführerin wurde Anja Esser gewählt – die Lüdenscheiderin vertritt im LVG-Vorstand die Farben des TV Wiblingwerde. Esser ist eines von zwei komplett neuen Gesichtern im Gauvorstand. Ebenfalls neu: Wesley Baankreis. Der Halveraner übernimmt von Tim Viebahn das Amt des Gaupressewartes. 

„Durch die gute Zusammenarbeit mit den Kollegen im Vorstand und den Vereinen hat die Arbeit immer Spaß gemacht. Es hat sich gelohnt, aber jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Platz zu machen“, stellte Renate Friedrichs bei ihrem Abschied aus der Führungsposition fest. Sie hatte 2001 den Gau in einer schwierigen Zeit zunächst kommissarisch übernommen und war dann zwölf Jahre lang 1. Vorsitzende. So engagiert und hilfreich für die Vereine wie klar in ihren Worten auf Tagungen und gegenüber dem Verband. Auch beim Abschied. So bei der Einschätzung des NRW-Turnfestes in Solingen und Remscheid. „Ein Höhepunkt sollte das Fest werden, aber es war nur ein Punkt“, kritisierte Friedrichs, „da gibt es nichts schönzureden.“ Auch das Verhalten von Vereinen, die einen Teil ihrer Mitglieder lieber bei „preisgünstigeren Verbänden“ melden würden, prangerte sie an. „Es gibt große Vereine, die bei uns 30 Mitglieder melden, die Angebote bei Aus- und Weiterbildung nutzen wollen, aber mehr zahlen wollen sie nicht“, schüttelte Friedrichs den Kopf. Als eine wichtige Aufgabe für die Zukunft gab Friedrichs ihrem Nachfolger auf den Weg, den Kontakt zu den Vereinen zu suchen. „Ich bin noch letzte Woche bei einem Verein gewesen“, erzählte sie, „da kannte mich keiner, und ich kann auch niemanden. Das geht nicht.“

Friedrichs äußerte diese Anregungen gerade auch mit Blick auf die rückläufigen Mitgliederzahlen. In den Jahren 2011 und 2012 hat der Lenne-Volme-Turngau 569 Mitglieder verloren, wobei den großen Verlusten im ohnehin schon kleineren Lennebezirk (minus 618; Bestand: 6670) ein leichter Mitgliedergewinn im Volmebezirk (plus 49; Bestand 12 044) gegenüber steht. Die Kritik aus der Versammlung, dass der LVG trotz zurückgehender Mitgliederzahlen mehr Geld an den WTB abführen müsse und dieser noch nicht einmal mehr die Lehrgänge bezahle, nahm die LVG-Führungsriege auch ein wenig ratlos mit. Es wird sogar in Zukunft noch eklatanter, da der WTB nach 20 Jahren wieder eine Beitragserhöhung plant.

Die ersten Amtshandlungen des neuen Vorsitzenden des LVG waren nach seiner kurzen Antrittsrede (Gödde: „Ich kann dieses Amt übernehmen, ich kann es ausfüllen, aber ich habe nicht so viel Zeit wie Renate Friedrichs…“) waren die Ehrungen. Für ihre großen Verdienste im Lennebezirk des LVG überreichte Gödde Uta Wiele und Sabrina Jeide (beide Jahn Plettenberg) die Bronzene Ehrennadel des LVG. Für Gisela Geißler hatte Gödde „nur“ Blumen. Weshalb, das erklärte Gödde: „Gisela hat schon alle Ehrungen von LVG, WTB und DTB. Sie ist Ehrenmitglied im LVG – es gibt keine Ehrung mehr, die wir bei ihr vornehmen könnten. Wir können nur Dankeschön sagen.“ Geißler gab ihr Amt als Frauenwartin nach – mit kurzer Unterbrechung – 44 Jahren in dieser Position ab. Rekordverdächtig.

Und dann war da noch eine Ehrung. Zum Abschied aus dem Amt der 1. Vorsitzenden des LVG wurde Renate Friedrichs vom WTB-Vertreter Ehrenfried Scheel (Vorsitzender des Turngaus Siegerland) die WTB-Ehrennadel in Bronze verliehen. Friedrichs nahm es nicht kommentarlos hin. „Hier hat man sich wieder einmal über meine Wünsche hinweggesetzt“, sagte Friedrichs voller gespielter Renitenz, „ich habe direkt bei meiner ersten Sitzung in Oberwerries den Zettel, auf dem ich bisherige Ehrungen eintragen sollte, zerrissen und gesagt, dass ich auf keinen Fall eine Ehrung für mich möchte. Ich finde das jetzt ganz unmöglich – aber ich freue mich doch…“

Der nächste Gauturntag findet 2015 statt. Dann ist die DJK Eintracht Lüdenscheid Ausrichterin.


wtb