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Zeiten ändern sich und mit ihnen der Charakter von Dingen. Der Turnverein ist in der Vergangenheit einmal viel mehr als heute ein Ort des Zusammenhalts, der Geselligkeit gewesen. Eine Sache, mit der sich die Mitglieder identifizierten. Auch deshalb, weil es Menschen gab in dieser Zeit, die den Turnverein zu diesem Ort gemacht haben. Ingelore Lumberg ist so ein Mensch gewesen. Am 24. Februar ist sie im Alter von 90 Jahren gestorben.

Ingelore Lumberg war selbst Leichtathletin gewesen, vor allem aber sollte sie ein Vereinsmensch werden, der sich nie in den Vordergrund drängte, bei dem die Macher im Vordergrund aber immer sehr sicher sein durften, dass es im Hintergrund schon läuft, weil Ingelore Lumberg ja da war. Zuverlässig, akribisch, zugewandt, unkompliziert.

 

Mitte der 1960er-Jahre gründete sich beim Schalksmühler TV die Gruppe der Gymnastik-Frauen. Lumberg übernahm die Abteilungsleitung und behielt sie bis ins Jahr 2017. Dann löste sich die Gruppe auf. In den 1970er-Jahren übernahm sie gemeinsam mit Hildegard Virkus und Liesel Hohage das Kinderturnen. Ingelore Lumberg wurde Sozialwartin des STV und blieb es über Jahrzehnte. Immer da für ein Mitglied, wenn es einen Sportunfall hatte. Oder wenn die Verbände auf Zahlen des Vereins warteten. Lumberg übernahm die Meldungen für die großen Turnfeste und fehlte selbst auf keinem.

 

Sie wurde auch zur Chronistin des Vereins. Keine Vorstandsbesetzung entging ihr, wurde festgehalten. Im Vorstand war sie die Schriftführerin. Als der STV 100 Jahre alt wurde, gab’s eine Festschrift, die dank Ingelore Lumberg eine beeindruckende Chronik war. Alles ohne Computer, sie kam aus der Zeit der Schreibmaschine. Auf der tippte sie Jahr für Jahr im Februar und November die Einladungen für die Hallensportfeste des 1. Bezirks im Lenne-Volme-Turngau und des Turngaus selbst. Lumberg gehörte lange dem Bezirksvorstand an, war auch hier Schriftführerin. Bei den Sportfesten in der Jahnhalle machte sie erst selbst ihren Dreikampf und wertete dann die Ergebnisse für alle aus. Alles wie selbstverständlich.

 

„Im Grunde genommen war Ingelore Lumberg die treue Seele des STV“, sagt Heinrich Bertram, der als Vorsitzender des 1. LVG-Bezirks gerne mit ihre zusammenarbeitete. „Eine Frau für alle Fälle“, nennt die langjährige STV-Vorsitzende Imke Druschel Ingelore Lumberg. Als das Alter dieses leidenschaftliche Engagement nicht mehr zuließ und Ingelore Lumberg irgendwann in eine Senioren-WG zog, gab’s bald auch die Sportfeste in der Jahnhalle nicht mehr. Eine Sozialwartin hat der STV heute auch nicht mehr. „Und ich fürchte, dass es auch im die Chronik nicht mehr so gut bestellt ist“, sagt Imke Druschel. Alles hat seine Zeit. Die große Zeit des STV, als der Verein noch mit Handballern, Turnerinnen und Leichtathleten in aller Munde war, hat Ingelore Lumberg mit ihrem Engagement mitgeprägt. Der Verein wird ihr ein ehrendes Andenken bewahren.

@Thomas Machatzke


wtb